Der Westerwaldmarsch. (NLZ 21.10.1993)
Nicht der Text, wohl aber die Melodie dieses erfolgreichen Musikstückes stammt von einem Sohn Oberbrechens: von Joseph Neuhäuser. Er wurde 1890 in Oberbrechen im Goldenen Grund geboren, wo er auch die Schule besuchte. Von 1904 bis 1907 ließ er sich in Gelsenkirchen zum Militärmusiker ausbilden. Später studierte er auch einige Zeit am Konservatorium von Paris.
Nach dem Ersten Weltkrieg kehrte er in seine Heimat am Emsbach zurück, wo er fortan als Chorleiter und Komponist tätig war. 1932 gewann er mit dem Marsch Pour le Merite" den Grand Prix eines internationalen englischen Wettbewerbs. 1934 zog er mit seiner Frau, die wie er aus Oberbrechen und eine geborene Ricker war, sowie seinen beiden Kindern nach Limburg um, wo er in der Wörthstraße 5 in Limburg (heute: Josef-Ludwig-Straße) eine Wohnung gefunden hatte. In den 40er Jahren war er zeitweise Dozent an der Staatlichen Lehrerbildungsanstalt in Hadamar. 1949 starb er in Limburg, wo er auch beigesetzt wurde.
Den größten Erfolg hatte der Oberbrechener mit O du schöner Westerwald". Was ist über die Entstehungsgeschichte dieses Marsches bekannt?
1934 fragte die Kompositionsabteilung eines Limburger Musikhauses bei Neuhäuser an, ob er ihr ein altes, im Westerwald vielgesungenes Lied in einen Marsch umsetzen könne. Er sagte zu. Daraufhin schickte man ihm eine junge Westerwälderin in die Wörthstraße. Das Mädchen trug das Lied, das noch nie zuvor aufgezeichnet worden war, vor. Neuhäuser schrieb Text und Melodie auf. Dann stellte er Nachforschungen über die urheberrechtliche Situation an. Überall, wo er sich erkundigte, erhielt er die gleiche Antwort: Das Lied sei schon so alt, daß es urheberrechtlich nicht mehr geschützt sei. Daraufhin formte er 1935 das Lied zu einem Marsch um.
Da das Interesse des Musikhauses an der Neuschöpfung mittlerweile nachgelassen hatte, setzte sich der Komponist eines Tages in den Zug und fuhr nach Mainz, wo er sein Stück dem Musikverlag B. Schott's Söhne anbot. Er hatte Glück. Der Verlag, einer der führenden auf diesem Gebiet, kaufte ihm den Marsch für 150 Reichsmark ab. Dieser erschien 1937 bei Schott im Druck, und zwar in verschiedenen Ausgaben: für Klavier, Orchester, Zither und vierstimmigen Männerchor. Alle Ausgaben enthielten den Hinweis auf Joseph Neuhäuser als Komponisten. Er bekam von diesem Zeitpunkt an auch die ihm zustehenden Tantiemen.
Nach 1945 erwähnte Neuhäuser nicht gern den Marsch, der eine so breite Aufnahme gefunden hatte. Die deutschen Soldaten hatten diesen nämlich im Zweiten Weltkrieg (vor In einem Polenstädchen" und Lili Marleen") zur Nummer 1 ihrer Landser-Hitparade erkoren und insbesondere beim Einmarsch in eroberte Gebiete gesungen. Dadurch war der Westerwaldmarsch ohne Zutun seines Schöpfers lange diskreditiert.
Dieser Verruf verschwand aber bald wieder. Heute steht
O du schöner Westerwald" laut Untersuchung des Allensbacher
Instituts für Demoskopie in Deutschland auf dem zehnten Platz der beliebtesten
Lieder.